Sie sind hier: Über uns  Unser Kirchenraum  Altarraum und Tonanlage  Predigt zur Verabschiedung

Predigt zur Verabschiedung

Predigt von Pfarrerin Petri im Gottesdienst am 30. Juni

Seit zwei Jahren bin ich Pfarrerin hier und sammle in diesem Raum viele Erinnerungen hier im Altarraum der Pauluskirche.

Aber was sind meine Erinnerungen im Vergleich zu den Ihren, zu den Euren? Manche von euch kennen den Rohbau, kennen das, was vorher war – die Baracke.

Manche kennen den Teppich und die Altar-Möbel von Anfang an.
Und ich bin froh, dass ihr euch besser gehalten habt, als der Teppich ;-).

Manche von euch sind hier konfirmiert worden, manche kennen noch die Kniepolster an den Stufen, manche haben hier schon unzählig Menschen predigen gehört, schon in den unterschiedlichsten Gefühlslagen Brot und Wein zu sich genommen…

Für andere von euch ist das hier noch ein neuer Raum ohne viel Geschichte, weil Sie die ersten Male hier sind oder nur vereinzelt kommen. Für manche ist es vielleicht gar nicht nachvollziehbar, wie man an einem Stück furnierten, ramponierten Holz aus den 70ern hängen kann.

Jetzt sollen Taufstein, Altarstein, Kanzel und Kreuz ausgetauscht werden. Damit das Hören hier leichter fällt kommen eine Akustikwand und eine neue Höranlage – Lautsprecher hier. Und damit wir beim Feiern flexibler sind, kommen bewegliche Möbel. Für manche von uns ist dieser Schritt mit Vorfreude verbunden, für andere mit Wehmut.

Beide Gefühle kenne ich gut. Schon von damals als ich 6 Jahre alt war.
Als ich ein eigenes Zimmer bekommen sollte kurz vor Schulbeginn.
Ein eigenes Zimmer, großartig!
Oma und Opa haben mich bald in der Früh abgeholt, damit meine Eltern alles umbauen konnten.
Wir waren schwimmen, spazieren, essen und die ganze Zeit war ich aufgeregt, wie das Zimmer wohl aussehen würde.
Als ich mit Oma und Opa nach Hause gekommen bin, da war alles umgestellt. Zimmer waren verstauscht.
Möbel ausgewechselt und umgebaut.
Meine Eltern standen mir erschöpft, verschwitzt und zufrieden grinsend gegenüber.
Aber sie warteten vergeblich auf meine freudige Reaktion.
Ich stand still da und musste mich orientieren.

Aus heutiger Sicht – mit dem Blick auf die kleine Elke - verstehe ich zwei Dinge. 1. Als Eltern muss man eine Wohnung dann umräumen, wenn die kleinen Kinder außer Haus sind, damit ein Umbau zügig über die Bühne geht und niemand sich verletzt.

2. Meine Eltern haben einfach erkannt, dass sich die Bedürfnisse unserer Familie verändert hatten. Die Räume mussten angepasst werden. Ich habe einen eigenen Bereich für mich gebraucht.

Hier in der Pauluskirche müssen wir zum Glück nicht an einem Tag fertig werden mit unserem Umbau im Altarraum. Aber über den Sommer. Und wie meine Eltern mit aufgekrempelten Ärmeln sind auch bei diesem Umbau viele engagierte und kompetente Menschen mit Herzblut und Elan beteiligt. Mit raufgekrempelten Ärmeln und am Ende des Sommers werden diese Menschen erwartungsvoll in Gesichter blicken und die Reaktion abwarten – wie meine Eltern damals.

Wie damals meine Eltern, haben wir in der Pauluskirche erkannt: Die Bedürfnisse haben sich geändert.
Das Hören fällt nicht allen leicht – kein Wunder in einer Kirche, in der jeder Ton 8 Sekunden lang nachhallt. Mit einer neuen Tonanlage kommen wir dem Bedürfnis nach Hören und Verstehen nach.
Dann ist da das Bedürfnis nach mehr Musik – der Wunsch Chorkonzerte, Kindermusicals, Krippenspiele zu veranstalten und flexibel zu sein. Mit einer beweglichen Kanzel und einem beweglichen Altar wird dieses Bedürfnis ernst genommen – wir können Platz schaffen für Menschen.
Da ist das Bedürfnis, Altes zu bewahren – mit einem großen hellen Lichtkreuz in der Form unseres jetzigen Kreuzes und unserer Taufschale, die weiterverwendet wird, greifen wir dieses Bedürfnis auf.

Und trotz eines sehr feinfühligen Entwurfes wird es so manchem Erwachsenen gehen wie mir als Kind: Zur Vorfreude auf das Neue gesellt sich Wehmut, weil Veränderungen uns manchmal schwerfallen. Als Kind musste ich mich erst einmal neu im Raum orientieren. Auch wir Großen werden uns nach dem Sommer neu orientieren.

Als Kind hab‘ ich nach ein paar Tagen gemerkt: Mein neuer Raum tut mir gut.
Er entspricht meinen Bedürfnissen.
Hier kann ich mich entfalten.
Ich hab‘ mir mein neues Kinderzimmer erobert– und zwar nicht alleine, sondern mit anderen.
Freunde kamen zu Besuch und wir haben darin gespielt.
Meine Schwester und ich sind versunken in Rollenspielen und meine Eltern haben Geschichten am Kinderbett vorgelesen.

Auch unseren veränderten Kirchenraum werden wir uns zu eigen machen. Weil er unseren Bedürfnissen entgegenkommt.
Hier werden wir uns entfalten – als Gemeinschaft.
Meine Kirche jetzt und hier – meine Kirche lebt von dir und mir.
Kirche lebt von den Festen, die wir hier feiern werden, von den Begegnungen, die wir haben werden.
Unsere Kirche lebt VOR ALLEM von Gottes Mutmach-Wort, das wir uns hier in Zukunft zusprechen werden: - von der neuen Kanzel, vom neuen Taufstein, vom neuen Altar.

Diese neuen Möbel und die Tonanlage machen möglich, dass wir das Mutmach-Wort noch besser hören können. Diese neuen Möbel machen möglich, dass wir dem Mutmach-Wort mehr Platz geben. Denn auf Gottes Mutmach-Wort kommt es an und was es in uns bewirkt!

Gottes Mutmach-Wort ist wie Regen, der fällt oder Schnee, der vom Himmel kommt. Schnee und Regen kehren nicht einfach wieder in den Himmel zurück, sondern durchfeuchten die Erde, damit das Leben möglich ist. Gott spricht bei Jesaja: Genauso ist es mit dem Wort, das ich spreche: Es kehrt nicht unverrichteter Dinge zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und führt aus, was ich ihm auftrage.

Gottes Wort verändert uns, wenn es bei uns ankommt.
Aus Mutlosen werden Tatkräftige.
Aus Trauernden werden Hoffnungsvolle.
Aus Zornigen werden Verzeihende.

Gottes Wort bewirkt Wachstum und Veränderung – wie Schnee und Regen Wachstum und Veränderung in der Landschaft bewirken.

Gottes Veränderung richtet sich nach unseren Bedürfnissen.
Die Veränderung ist für dich und mich.
Gottes Veränderung ermöglicht unser Wachstum.
Ermöglicht unser Entfalten.
Unser Entfalten als Gemeinschaft.
Als Kirche.

Amen.

© 2012-2019 Ev. Pfarrgemeinde A.B. Wien-Landstraße - pauluskirche.at