Sie sind hier: Aktuelles  Bettelnde Menschen

Bettelnde Menschen

Kontakte



In den vergangenen Jahren wurde der Umgang mit bettelnden Menschen in unseren Räumlichkeiten von Gottesdienstbesucher*innen und Mitarbeiter*innen immer wieder als Herausforderung erlebt.

Mehrere Zusammentreffen haben wir zum Anlass genommen, die Rechte und Bedürfnisse beider Gruppen abzustecken: die der Kirchenbesucher*innen und die der bettelnden Menschen.

Mithilfe eines Experten und der Mitarbeitenden haben wir Regeln entworfen für ein Zusammenleben der Gottesdienstgemeinde und der bettelnden Menschen. Das Presbyterium hat den Leitfaden im Herbst 2018 verabschiedet.

Wir heißen ALLE willkommen...

JedeR hat eine eigene Geschichte. Wir wollen nicht generalisieren.

Betteln hat seinen Grund und ist grundsätzlich erlaubt.

Bettelnde Menschen werden angesprochen und eingeladen.

Wir haben Informationen der Stadtdiakonie oder öffentlicher Stellen für bettelnde Menschen.

Wir wollen mithilfe der Diakonie an eigenen Hilfsangeboten für bettelnde Menschen weiterarbeiten.  

 

Bettelnde Menschen halten sich an unsere Regeln...

  • Wir dulden kein Betteln innerhalb unserer Räume.
  • Wir dulden keine Nötigung, keine Berührungen und kein Nachlaufen durch bettelnde Menschen.
  • Wir stehen für ein klares Auftreten bei Nötigung: Im Konfliktfall wird zuerst das Gespräch gesucht, dann werden weitere Maßnahmen bis zur Anzeige eingeleitet.  

Das Presbyterium und die Mitarbeitenden der Pauluskirche

Fakten statt Mythen. Betteln ist die sichtbarste Form der Armut und Ausdruck für eine extreme Notlage. Die Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema Betteln sollen Missverständnisse vorbeugen.

„Gibt es die sogenannte 'Bettelmafia'?“

Es kursieren Gerüchte über Sozialtourismus, organisierte Kriminalität und Zwangsabgaben. Nach der aktuellen Kriminalstatistik gibt es in Österreich nur in vereinzelten Fällen den Nachweis, dass Menschen zum Betteln gezwungen wurden. Armutsmigrant*innen sind oftmals gut organisiert, aber nicht im kriminellen Sinn: Sie organisieren sich innerhalb ihrer Familien- und Dorfverbände, um An- und Rückreise überhaupt erst möglich zu machen und verlassen sich auch während ihres Aufenthaltes auf diese Strukturen.


„Wäre es nicht besser, den Menschen Gutscheine oder eine Jause zu geben?“

Jeder Privatperson steht es frei, einen Gutschein auszugeben, Geld zu spenden oder auf eine andere Art und Weise zu helfen. Die Ausgabe von Gutscheinen steht jedoch im Widerspruch zum Gedanken einer „Nächstenliebe ohne Wenn und Aber“: Die Ausgabe geht an den Bedürfnissen vieler Armutsmigrant*innen vorbei. Mangels Einkommensalternativen in der Heimat werden mit dem erbettelten Geld nämlich Familien im Herkunftsland unterstützt. Nicht zuletzt führt die Vergabe von Gutscheinen zu einer Bevormundung der bettelnden Menschen, denen dadurch das Recht abgesprochen wird, frei über die Geldspende zu verfügen. Eine gern gegebene Jause kann außerdem nicht mit den Kindern im Heimatland geteilt werden.


„Wie verhalte ich mich persönlich?“

Begegnungen mit bettelnden Menschen erzeugen oft ein Gefühl der „Hilflosigkeit“, ein „Unwohlsein“. Es ist nicht einfach, der Armut ins Gesicht zu schauen und sich der Tatsache zu stellen, dass es auch im reichen Österreich Menschen gibt, denen es am Notwendigsten fehlt. Entscheiden Sie für sich selbst, ob Sie einem bettelnden Menschen etwas geben, mit ihm Kontakt aufnehmen oder einfach vorbeigehen. Wenn es Ihnen gelingt, mit einem freundlichen Blick, einem Gruß oder ein paar Worten Ihre Wertschätzung auszudrücken, kann dies mindestens so wertvoll sein, wie eine rasch im Vorbeigehen abgelegte Münze.


„Unsere Kirchenbesucher*innen fühlen sich belästigt.“

Unsere Begegnung mit bettelnden Menschen folgt stets dem Gedanken der Nächstenliebe und der Würde des Menschen. Dies gilt auch für die Anwesenheit von bettelnden Personen während des Gottesdienstes. Klar kommunizierte Regeln für die Zeit des Gottesdienstes, beim Kirchenkaffee und bei Veranstaltungen können helfen, unerwünschte Situationen zu verhindern.

 

[Fragen/ Antworten aus Caritas Österreich „Armut muss Platz haben“]

© 2012-2018 Ev. Pfarrgemeinde A.B. Wien-Landstraße - pauluskirche.at